Kinder und Jugendliche im ländlichen Raum haben kaum Zugang zu Kunst und Ausstellungen. Warum also nicht einfach Kunst und Kultur direkt zu ihnen auf den Schulhof bringen – dachte sich die Crespo Foundation. Mit dem fliegenden Künstlerzimmer hat die Stiftung gemeinsam mit ihren Kooperationspartnern – dem Hessischen Kultusministerium und dem Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst – im Jahr 2018 ein Format ins Leben gerufen, das die kulturelle Schulentwicklung hessenweit langfristig vorantreibt und insbesondere auch im ländlichen Raum realisiert werden kann. 

Nach einem erfolgreichen Pilotjahr an der IGS Wollenbergschule in Wetter im Schuljahr 2018/19 ist das Programm nur zwei Jahre später bereits auf zwei Schulen – die Georg-Christoph-Lichtenberg-Schule in Ober-Ramstadt und die Limesschule in Idstein – ausgeweitet worden. Im Schuljahr 2021/2022 landet das fliegende Künstlerzimmer erstmals mit drei mobilen Künstlerateliers auf Schulhöfen im ländlichen Hessen: an der Einhardschule in Seligenstadt, der Lüdertalschule in Großenlüder und der die Schule im Emsbachtal in Niederbrechen.

An drei Tagen in der Woche öffnen die Künstlerinnen ihr „Haus“ für die Schüler*innen und Lehrer*innen der jeweiligen Schule. Dann werden die fliegenden Künstlerzimmer Plattform und Spielfeld für die gesamte Schulgemeinde, um ästhetische Ansätze im Umgang mit den Lehrplaninhalten zu erproben, zu experimentieren, eigene Ideen zu finden und darüber hinaus in einer offenen Ateliersituation freie Projekte zu verwirklichen.

Das von den Architekten Prof. Nikolaus Hirsch und Prof. Dr. Michel Müller eigens dafür entworfene mobile Künstleratelier soll in dieser Zeit zum kreativen Lern- und Lebensraum der Schüler*innen, ihrer Lehrer*innen und der Künstler*innen selbst werden. Gemeinsam werden sie künstlerische Ansätze im curricularen Schulunterricht verschiedenster Fächer, aber auch in offenen Ateliersituationen erproben.

Die kooperierenden Schulen wollen sich entweder ein eigenes künstlerisch-kreatives Schulprofil erarbeiten oder ein bereits bestehendes Kultur-Profil schärfen. Das fliegende Künstlerzimmer gibt ein ganzes Jahr lang die hierfür erforderlichen Impulse und schafft im wörtlichen wie auch im übertragenen Sinne Freiräume zum Erfinden und Ausprobieren.



Das HKM unterstützt das Programm durch besondere Fortbildungsformate sowie eine Prozessbegleitung. So werden die Schulen etwa ins Netzwerk der kulturell aktiven Schulen aufgenommen und erhalten dadurch die Möglichkeit, an besonderen Angeboten teilzunehmen oder pädagogische Tage durchzuführen. Mit dem Ziel, mehr jungen Menschen die Teilhabe am kulturellen Leben zu ermöglichen, fördert das HMWK den*die Künstler*in über ein Arbeitsstipendium in Höhe von monatlich 2.000 Euro sowie einen Material- und Aufwendungszuschuss von jährlich 6.000 Euro.

Die Crespo Foundation hat unter Federführung der Architekten Prof. Nikolaus Hirsch und Prof. Dr. Michel Müller die Entwicklung und Realisierung der mobilen Architektur in Holzbauweise beauftragt, während die Landkreise für die Organisation vor Ort sowie die Übernahme der technischen Kosten verantwortlich sind.

„Das fliegende Künstlerzimmer“ auf einen Blick

Laufzeit:
Für mindestens ein Schuljahr gastiert das fliegende Künstlerzimmer auf dem Schulhof einer weiterführenden Schule im ländlichen Raum Hessens.

Schuljahr 2021/2022: 

Das fliegende Künstlerzimmer landete im Sommer 2021 an gleich drei hessischen Schulen im ländlichen Raum. Drei Künstlerinnen sind als Artists-in-Residence mit von der Partie: Christina Wilgrube wohnt und arbeitet an der Einhardschule in Seligenstadt, einem Gymnasium an der östlichen Grenze des Kreises Offenbach. Eva Funk bewohnt das fliegende Künstlerzimmer auf dem Schulhof der Verbundenen Haupt- und Realschule Lüdertalschule im Landkreis Fulda und die Performerin Claudia Sárkány gastiert an der Schule im Emsbachtal, einer Grund- und Verbundenen Haupt- und Realschule in Niederbrechen im Kreis Limburg-Weilburg. 

Die Künstlerinnen:
Christina Wildgrube

Christina Wildgrube, Künstlerin im Bereich der Druckgrafik, bewohnt das fliegende Künstlerzimmer auf dem Schulhof der Einhardschule in Seligenstadt. Die treibende Kraft ihres künstlerischen Schaffens sieht Wildgrube darin, „die Grenzen des Machbaren zu überprüfen und herauszufordern, um so zu überraschenden Bildlösungen zu gelangen – auch über das Feld der Druckgrafik hinaus“. Für die Schüler*innen der Einhardschule hat sie ein Konzept entwickelt, das diesen ermöglicht, sich in verschiedenen Formaten und Techniken auszudrücken und so eine eigene Bildsprache zu entwickeln.

Eva Funk
Die Wahlberlinerin Eva Funk ist seit Sommer 2021 fliegende Künstlerin an der Lüdertalschule in Großenlüder. Schwerpunkt ihrer Projekte waren bisher das Stärken einer solidarischen (Stadt)Gesellschaft, Baukultur und urbanen Naturerfahrung. Der Künstlerin ist es wichtig, Gestaltung nicht nur als ästhetische Entscheidung zu denken, sondern darin auch demokratische Möglichkeiten zu entdecken. An der Lüdertalschule möchte Funk sich gemeinsam mit den Schüler*innen zunächst mit dem Begriff „Heimat“ beschäftigen: eine Konstruktion, die für die meisten Menschen eine zumeist individuelle Realität ist, die gelebt, erlebt, erlitten, vermisst, gesucht, nicht zuletzt auch: gebildet wird.

Claudia Sárkány
Claudia Sárkány ist Filmemacherin und Performerin und seit dem Schuljahr 2021/22 Artist-in-Residence an der Schule im Emsbachtal in Niederbrechen. Seit mehr als zehn Jahren arbeitet sie parallel zu ihrer Filmemachertätigkeit als Kunst- und Filmvermittlerin, ihr Schwerpunkt ist auch hier das filmische Erzählen. Die Künstlerin hat ambitionierte Pläne für ihr Artist-in-Residence Stipendium an der Schule im Emsbachtal: Gemeinsam mit den Schüler*innen möchte sie ein Performance-, Film- oder Serienkonzept auf die Beine stellen, das sich über das gesamte Schuljahr erstreckt und am Ende in eine glamouröse Kino-Vorführung mit Tickets, Snacks und rotem Teppich mündet.

Das Artist-in Residence-Stipendium:

Das Stipendium richtet sich an Künstler*innen, die neben dem eigenen künstlerischen Schaffen erfahren sind in der kulturellen Bildungsarbeit mit Kindern und Jugendlichen an Schulen. Das Stipendium beinhaltet die Nutzung des Wohn-Ateliers „Das fliegende Künstlerzimmer“ und ist mit einem Lebenshaltungskostenzuschuss in Höhe von monatlich 2.000 Euro dotiert. Darüber hinaus erhält der*die Künstler*in einen Material- und Aufwendungszuschuss von jährlich 6.000 Euro für seine*ihre eigene Arbeit und die Zusammenarbeit mit den Schüler*innen.

Die Zusammenarbeit von Künstler*in und Schüler*innen:
In enger klassen- und fächerübergreifender Zusammenarbeit mit den Lehrer*innen der Schule entwickelt der*die Künstler*in an drei Tagen in der Woche künstlerische Ansätze, um den Kindern und Jugendlichen neue ästhetische Perspektiven auf die Lehrinhalte zu eröffnen. Daneben arbeitet er*sie in einer offenen Atelier-Situation mit den Schüler*innen.

Die Architektur:

Das mobile Wohn-Atelier wurde von den Architekten Prof. Nikolaus Hirsch und Prof. Dr. Michel Müller eigens für „Das fliegende Künstlerzimmer“ entwickelt. Durch seine Raumhöhe von 3,50 Metern entspricht es einem lichten und großzügig gestalteten Künstleratelier und ist, zerlegt in vier Module, per Tieflader von Schulhof zu Schulhof transportierbar.

Das fliegende Künstlerzimmer wird bei der Crespo Foundation von Friederike Schönhuth und Laura Kurtz betreut und koordiniert. Für Fragen stehen Ihnen Friederike Schönhuth unter Telefon 069/2710795-18 oder per E-Mail an friederike.schoenhuth@crespo-foundation.de und Laura Kurtz unter Telefon 069/2710795-23 oder per E-Mail an laura.kurtz@crespo-foundation.de gerne zur Verfügung.

>> Zur Webseite von „Das fliegende Künstlerzimmer“ gelangen Sie hier!