WORTMELDUNGEN-Literaturpreisträger Thomas Stangl liest im Rahmen des Lesefests OPEN BOOKS

Für seine Erzählung „Die Toten von Zimmer 105“ ist der Österreicher Thomas Stangl im Mai 2019 mit dem WORTMELDUNGEN-Literaturpreis der Crespo Foundation ausgezeichnet worden. Auf dem Lesefest zur Frankfurter Buchmesse OPEN BOOKS hat Stangl am Donnerstag, den 17. Oktober 2019, Texte aus seinem hoch gelobten Erzählband „Die Geschichte des Körpers“ gelesen und mit Daniella Baumeister (hr2-kultur) über Literatur und Gesellschaft diskutiert.

Neben dem Preisträgertext bekamen die Gäste im Kapellchen des Römers die Kurzgeschichte „Monster“ zu hören. Sie handelt von Menschen, die ihr Zuhause verlassen mussten und bei einer Frau namens Anna Zuflucht finden. Allabendlich gehen sie auf die Straße, um auf die Monster zu warten … aber die kommen nicht. Dieses Warten gleicht einem Spiel, Stangl selbst bezeichnet es als „sehr ernstes Spiel“. Die Gestrandeten wissen nicht, ob sie jemals in ihr altes Leben zurückkehren können, die Leser*innen erfahren nicht, warum diese Menschen überhaupt bei Anna untergetaucht sind, geschweige denn, wo und wann die Geschichte spielt.

Genau diese Ungewissheit, das Nebulöse ist kennzeichnend für die insgesamt 30 Erzählungen in Stangls Erzählband, der im Frühsommer beim Grazer Droschl Verlag erschienen ist. „Es ist mir wichtig, die Dinge für sich stehen zu lassen, Bilder für sich sprechen zu lassen“, sagte Stangl im Gespräch mit Daniella Baumeister. So lange etwas offen bliebe, könne ein Text sehr viel mehr in Gang setzen, als wenn er zu sehr durchdekliniert sei, ergänzte Stangl.

So verwundert es nicht, dass der Wiener sich auch mit Äußerungen zu politischen und gesellschaftlichen Themen eher zurückhält: „Ich muss nicht zwanghaft zu jedem aktuellen Thema eine Meinung verkünden“, betonte der Österreicher. „Wenn ich denke, dass ich etwas schreiben kann, das nicht nur eine Meinungsäußerung ist, sondern eine gewisse analytische Qualität hat, dann versuche ich diesen Text auch zu veröffentlichen!“ 

Auf die Frage Baumeisters, wie wichtig es für ihn sei, mit Literatur die Welt zu beschreiben oder sogar zu verbessern, antwortete Stangl: „Für mich wäre die Welt ein sehr viel tristerer Ort, wenn es die Literatur nicht gäbe!“ 

Im Anschluss an die Lesung konnten die Gäste bei einem Glas Wein mit Thomas Stangl und Daniella Baumeister ins Gespräch kommen. 

Über den WORTMELDUNGEN-Literaturpreis

WORTMELDUNGEN – Der Literaturpreis für kritische Kurztexte wird von der Crespo Foundation ausgelobt. Er ist mit 35.000 Euro dotiert und wird jährlich für herausragende literarische Kurztexte verliehen, die in der Auseinandersetzung mit aktuellen gesellschaftspolitischen Themen den Nerv der Zeit treffen. Der mit 15.000 Euro dotierte Förderpreis soll junge Autor*innen motivieren, sich mit dem Thema des Gewinner*innentextes auseinanderzusetzen und eine eigene literarische Position zu formulieren.


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