Fliegende Künstlerinnen feiern Abschied an ihren Schulen

Nach einem bzw. zwei Jahren als Artists-in-Residence auf den Schulhöfen in Idstein und Ober-Ramstadt hieß es Abschied nehmen für die „fliegenden“ Künstlerinnen Lisa Haucke und Janina Warnk. In der letzten Woche vor den hessischen Sommerferien, am 13. und 15. Juli 2021, legten sich die beiden gemeinsam mit den Schüler*innen und Lehrer*innen nochmal so richtig ins Zeug.

Lisa Haucke hatte sich anlässlich ihres Abschieds an der Limesschule in Idstein ein spannendes Programm überlegt: Zuerst präsentierte eine 7. Realschulklasse eine Tanztheater-Performance, die in der Übergabe des handgeschöpften und handgebundenen „Buch der Wünsche“ an die Schulbibliothek gipfelte. 

„Damit schließt sich auch für mich ein Kreis zum künstlerischen Auftakt des Schuljahres, bei dem ich alle Schüler*innen eingeladen hatte, ihre Wünsche für das Schuljahr auf einen Papierflieger zu schreiben und diesen aus den Fenstern fliegen zu lassen“, erzählt Lisa Haucke. „Die Wünsche, die teilweise sehr rührend und persönlich waren, habe ich gemeinsam mit Schüler*innen kategorisiert und aus den Papierfliegern dieses neue Buch mit dem Titel ‚Vom Papierflieger zum Buch‘ geschaffen“, so die „fliegende“ Künstlerin weiter.

Bei einem an die Performance anschließenden Rundgang führten Schüler*innen der Blog-Gruppe durch eine Ausstellung, in der weitere künstlerische Arbeiten aus dem vergangenen Schuljahr gezeigt wurden, darunter Modelle zum Thema Schule im Jahr 2121 und großformatige Zeichnungen zur Musik. Und mehr noch: Neben einer Präsentation der „fliegenden Kunst-Journale“ wurden im fliegenden Künstlerzimmer selbst in einer Kinosituation Filme unterschiedlicher Klassen gezeigt, die über das Schuljahr hinweg entstanden waren. 

Den Abschluss bildete ein Empfang aller Beteiligten mit Danksagungen an der „Essbar“ der Schule. Und Lisa Haucke verriet: „Mitten in den Sommerferien wird außerdem die dritte Ausgabe des ‚fliegenden Kunst-Journals‘ fertig und ich freue mich, wenn ich mir vorstelle, dass das neue Schuljahr damit beginnt, dass die Schüler*innen über die Zeitung herfallen!“

Die „fliegende“ Künstlerin Janina Warnk ließ ihre zwei Jahre als Artist-in-Residence an der Georg-Christoph-Lichtenberg-Schule in Ober-Ramstadt mit einem Festival ausklingen, bei dem sie, die Schüler*innen und Lehrer*innen ihren Fantasien freien Lauf lassen konnten. „Ich bin immer noch ganz überwältigt von so viel Liebe und Dankbarkeit, die dem Fliegenden Künstlerzimmer entgegengebracht wurde! Ich bin insbesondere sehr beeindruckt davon, wie die Schüler*innen eigenständig ihre Bars, Technik, Performances, Reden, Tänze, Zelte, Gästebetreuung, Finanzen, Kostüme, Flamingos und DJ-Sets organisiert haben!“, begeisterte sich Janina Warnk.

An verschiedenen Stationen auf dem Schulgelände wurden nämlich unter anderem selbstgesteckte Blumenkränze verschenkt, es gab ein Zelt des schwedischen Okkultismus, verschiedene Tanzaufführungen, Reden auf die Jahre mit dem fliegenden Künstlerzimmer und Janina, eine Flamingo-Bar mit Rhabarber-Schorle, bunt-gekleidete Eisverkäufer*innen auf Fahrrädern und gemeinsames Tanzen unter freiem Himmel – das meiste von den Schüler*innen selbst initiiert und organisiert. 

Der Dress-up-Code des Abschlussfestes lautete: „Alles was fliegt“ – hier sah man von Vogelverkleidungen bis hin zu Fliegerbrillen die unterschiedlichsten Interpretationen. Zum Abschluss sang die „fliegende“ Künstlerin Janina Songs auf dem Schuldach für die ganze Schule. Dabei trug sie ein weißes Ballkleid, das eine Schülerin eigens für sie angefertigt hatte. Sie stellte fest: „Mein Abschlusslied trifft es schon ganz richtig: ‚It's something unpredictable but in the end it's right, I think I had the time of my life!‘“ 

Fotos: Christof Jakob / Nina Werth