Drittes TELLUS-Projektjahr ein großer Erfolg

Bei nahezu tropischen Temperaturen und unter großem Beifall haben am Montag, den 24. Juni 2019, Studierende der Frankfurt University of Applied Sciences und der Goethe-Universität Frankfurt am Main sowie Fachkräfte der Wilhelm-Merton-Schule, Philipp-Holzmann-Schule, Käthe-Kollwitz-Schule und Brühlwiesenschule ihre Zertifikate und Bescheinigungen für die erfolgreiche Teilnahme am Projekt „TELLUS I miteinander lehren – voneinander lernen“ entgegengenommen.

Über ein gesamtes Schuljahr hinweg haben die insgesamt 21 Studierenden beider Hochschulen knapp 300 Schüler*innen mit Migrationshintergrund in 16 Klassen auf ihrem Bildungsweg begleitet und unterstützt – erfolgreich angeleitet wurden sie dabei von den Lehrer*innen und Fachkräften der sozialpädagogischen Förderung an den jeweiligen Schulen.

„Wir freuen uns, dass das Projekt damit noch nicht zu Ende ist!“, sagte Prof. Dr. Roger Erb, Vizepräsident für Studium und Lehre der Goethe-Universität Frankfurt am Main, anlässlich der Abschlussfeier des dritten TELLUS-Projektjahres im Casino des Campus Westend. Das Service Learning-Projekt entspräche dabei ganz dem Verständnis der Goethe-Universität als Frankfurter Bürger-Universität.

Gemeinsam mit der Goethe-Universität Frankfurt und der Frankfurt University of Applied Sciences hat die Crespo Foundation das TELLUS-Projekt im Jahr 2016 ins Leben gerufen. Im Rahmen eines Pflichtpraktikums erhalten Studierende der Fachbereiche Lehramt, Soziale Arbeit, Wirtschaftspädagogik, Erziehungswissenschaften und Psychologie seitdem Gelegenheit, in multiprofessionellen Teams jugendliche Geflüchtete, Zugewanderte und Spätaussiedler*innen an einer Beruflichen Schule in Frankfurt, Offenbach und Hofheim im Unterricht, aber auch außerhalb des Klassenzimmers, zu unterstützen. Dabei arbeiten sie eng mit den Fachkräften an den jeweiligen Schulen zusammen und sammeln wertvolle Praxiserfahrung für ihr späteres Berufsleben.

„Dank TELLUS haben wir gelernt, sehr viel selbständiger zu werden. Aber auch unser Selbstbewusstsein ist durch die Lehrtätigkeit stark gewachsen“, fasste der Studierende Adrian Lamann die Erfahrungen aus einem Jahr TELLUS aus Studierenden-Sicht zusammen. Der enge Kontakt zu den Schüler*innen, aber vor allem auch deren Wertschätzung und Dankbarkeit, seien einmalig gewesen. „In diesen Momenten merkt man, dass man etwas Sinnvolles macht. Etwas, das die Gesellschaft voranbringt. Danke!“ Im Filminterview mit der Studierenden Charlotte Wendt bedankte sich der aus Afghanistan geflüchtete Schüler Amanullah Salehy mit den Worten „TELLUS hat uns alle bewegt!“. 

Dass TELLUS von der Zusammenarbeit der beteiligten Menschen lebt, wie es Gianna Wulf, TELLUS-Projektreferentin bei der Crespo Foundation, auf den Punkt brachte, geht bereits aus dem Projektnamen hervor. Die sechs Buchstaben nämlich stehen für die Begriffe „Team“, „Lehrende“, „Lernende“ und „Schüler*innen“. Wie gewinnbringend die Zusammenarbeit der unterschiedlichen Akteur*innen ist, verdeutlichten zwei anschließende Fragerunden. „Ich erlebe es als äußerst fruchtbar und anregend, wenn sich ganz unterschiedliche Projektpartner*innen zusammentun, um dem Ganzen ein Gesicht zu geben“, sagte Mete Özcan von der Philipp-Holzmann-Schule. Corina Lucke, stellvertretende Direktorin der Wilhelm-Merton-Schule, ergänzte: „TELLUS ist so nah dran an dem echten Beruf!“. 

Für die Frankfurt University of Applied Sciences ist TELLUS vor allem deshalb ein so wichtiges Projekt im Bereich Service Learning, weil man in die Interaktion kommt. Prof. Dr.-Ing. René Thiele, Vizepräsident für Studium und Lehre an der Frankfurt University of Applied Sciences, betonte: „Bei TELLUS geht es nicht nur um Fachwissen, sondern um gesellschaftliche Verantwortung!“. Dem pflichtete auch Prof. Dr. Holger Horz, geschäftsführender Direktor der Akademie für Bildungsforschung und Lehrerbildung an der Goethe-Universität, bei: „Das, was wir hier drinnen lernen und lehren, hat draußen einen Wert. Einen viel Größeren, als ich mir das in irgendwelchen Bibliotheken erschließen kann.“. Sein Fazit: „Interesse wecken, Beteiligung wecken, Engagement wecken. Dann geht’s auf einmal viel einfacher!“.

Wie einfach sich etwa die deutsche Sprache erlernen lässt, wenn man etwas andere, unkonventionellere Wege einschlägt, zeigt die Fotoausstellung „Aus unseren Augen – Wie wir Fotos sprechen lassen“, die die Besucher*innen im Anschluss an die offizielle Feier im Foyer des Casinos erwartete. Für InteA-Schüler*innen an der Käthe-Kollwitz-Schule hatten die beiden TELLUS-Studierenden Joolz Schmidt und Niklas Kraft eine Foto-AG ins Leben gerufen, in der die Teilnehmer*innen ihre Identität und Diversität mittels Handykamera ausdrücken sollten.Die Motive ihres Handelns seien in erster Linie sie selbst, aber auch die Natur und Tiere.

Über TELLUS
TELLUS ist ein Projekt, das Studierende und die Lehrkräfte an Beruflichen Schulen miteinander lehren und voneinander lernen lässt. Im Rahmen des TELLUS-PRAKTIKUMS haben die Studierenden die Möglichkeit, Geflüchtete, Zugewanderte und Spätaussiedler*innen über ein Schuljahr hinweg zu begleiten und auf diese Weise nicht nur die Schülerschaft, sondern auch die Lehrkräfte und Fachkräfte der sozialpädagogischen Förderung zu unterstützen. Durch sprach- und sozialpädagogische Förderung sowie allgemeinbildenden Unterricht an den Beruflichen Schulen wird der Übergang in Ausbildung und Beruf vorbereitet. Die Studierenden unterstützen und begleiten aber auch außerhalb der Schule. Damit helfen Sie den Jugendlichen, sich im deutschen Schul- und Berufsbildungssystem zu orientieren.

>> Weiterführende Informationen über das TELLUS-Projekt finden Sie hier!

Foto: Jessica Schäfer