BEEINDRUCKENDE KURZFILME IM GALLUS THEATER GEZEIGT

Sie behandeln Alltagssituationen von Migrantinnen wie Ärger mit dem Chef, weil das Kind mal wieder krank ist oder Stress mit dem Ehemann, weil die Nudeln verkocht sind … aber auch Ausnahmezustände wie z.B. die Flucht von Syrien nach Deutschland: Im Rahmen des diesjährigen Kreativprojekts haben 25 SABA-Stipendiatinnen ganz unterschiedliche Kurzfilme produziert, in denen sie einen Blick auf die eigenen Lebensrealitäten gewagt haben. Am Sonntag, den 19. Mai 2019, wurden die Kurzfilme im Frankfurter Gallus Theater erstmals der Öffentlichkeit präsentiert.

„Ob Dokumentar-, Episoden- oder Interviewfilm – gemein ist allen in den vergangenen acht Monaten entstandenen Kurzfilmen, dass sie ganz im Zeichen des diesjährigen Jubiläums 100 Jahre Frauenwahlrecht stehen.“, bringt Cora Stein, SABA-Projektreferentin bei der Crespo Foundation, die Thematik auf den Punkt. Die Kurzfilme zeigten, wofür alle SABA-Stipendiatinnen stünden – nämlich für Motivation, Engagement, Zusammenhalt und Mut! –, so Stein weiter.

Mit Unterstützung der erfahrenen Filmemacherinnen Nina Werth und Angela Freiberg haben sich die 25 Migrantinnen aus Ländern wie Eritrea, Kambodscha und Marokko dem Thema Gleichberechtigung auf ganz unterschiedliche Art und Weise genähert. Der zu Beginn gezeigte Trickfilm „Der Antrag“ beispielsweise handelt davon, wie eine junge Frau ihrem Freund einen Heiratsantrag macht – nicht umgekehrt. In einem weiteren Trickfilm erkennt eine junge Frau nach diversen Umstylings – neue Frisur, neues Make-Up, sexy Klamotten – dass es im Leben nicht darauf ankommt, den Männern zu gefallen, sondern in erster Linie sich selbst.

Die Stipendiatinnen Sara, Yordanos, Zainib, Roseane und Channy haben in ihrem Dokumentarfilm den Anfang 2019 in Frankfurt stattgefunden Women’s March 2019 interviewartig begleitet und aufbereitet. Für alle fünf war es die erste Demonstration überhaupt und eine unglaubliche Erfahrung mitzuerleben, wie laut und selbstbewusst die Frauen aufgetreten und für ihre Rechte eingetreten sind. Ihr Fazit: Auch in Deutschland gibt es in Sachen Gleichberechtigung noch viel zu tun!

Der Episodenfilm „… ein ganz normaler Tag“ – eine Gemeinschaftsproduktion fast aller SABA-Stipendiatinnen – behandelt Alltagssituationen von Migrantinnen: Da ist zum einen die berufstätige Mutter, die Zoff mit ihrem Chef hat, weil das Kind wegen Krankheit verfrüht aus der Kita abgeholt werden muss und sie somit das wichtige Meeting am Nachmittag verpasst. Oder die attraktive junge Frau, die in der S-Bahn von einem Typen derb angemacht und sogar begrapscht wird. Oder die Hausfrau und Mutter, die sich beim Abendessen für die gemeinsame Tochter stark macht, nachdem der Vater stets den Sohn bevorzugt.

Der abschließend gezeigte Film „Auf der Flucht“ schildert die erschütternden Fluchterlebnisse der drei SABA-Stipendiatinnen Freselam, Mihret und Samiha auf ihrem steinigen Weg nach Deutschland. Damit wollen die drei Migrantinnen anderen Frauen Mut machen und ihnen zeigen: „Gebt nicht auf, hört nicht auf zu lernen, und vor allem: Verliert eure Ziele nicht aus den Augen!“ Alle drei haben mittlerweile ihren Schulabschluss in der Tasche, zwei von ihnen beginnen nun eine Ausbildung: Freselam zur Krankenpflegerin, Samiha zur Erzieherin, während Mihret weiter zur Schule gehen wird, um ihren Realschulabschluss zu erreichen.

„Unsere Stipendiatinnen haben heute wieder eindrucksvoll gezeigt, dass alle SABA-Frauen stark und mutig sind, ihre Ziele erreichen und Vorbilder für ihre Familien, Kinder und ihre Communities sind.“, sagte Cora Stein abschließend. Gleichzeitig stellten die gezeigten Filme aber auch eines klar. Stein: „Nämlich, dass der Weg zur Gleichberechtigung in allen Lebensbereichen noch weit ist – vor allem für Migrantinnen!“.

Über SABA – Bildungsstipendien für Migrantinnen
Das Programm „SABA – Bildungsstipendien für Migrantinnen“ wurde 2006 von der Crespo Foundation ins Leben gerufen. Kerngedanke ist es, Frauen durch Bildung zu stärken und ihnen einen Schulabschluss auf dem zweiten Bildungsweg sowie den Einstieg in einen geeigneten Beruf zu ermöglichen. Seitdem vergibt die Stiftung jährlich 25 Stipendien an Migrantinnen im Alter zwischen 18 und 35 Jahren aus dem Rhein-Main-Gebiet. Bereits 150 Frauen in Frankfurt und Umgebung konnten durch diese Unterstützung ihren Schulabschluss erreichen und ihren Weg in eine ihren Fähigkeiten und Neigungen entsprechende Berufstätigkeit finden.

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Foto: Jessica Schäfer