Lange Lesenacht und Verleihung der WORTMELDUNGEN-Förderpreise

Sophie Baumberg, Magdalena Kotzurek und Leona Stahlmann heißen die jungen Autorinnen, die einen Tag vor Vergabe des hochdotierten WORTMELDUNGEN-Literaturpreises 2019 an den Wiener Thomas Stangl mit dem WORTMELDUNGEN-Förderpreis ausgezeichnet wurden. Die Preisverleihung fand im Rahmen einer langen Lesenacht am Freitag, den 24. Mai 2019, im entspannten Ambiente des frankfurtersalon statt. Das Preisgeld in Höhe von 15.000 Euro teilte die Jury unter den drei Förderpreis-Gewinnerinnen gleichermaßen auf.

Die Laudationes hielt die Autorin Petra Piuk, die für ihren Text „Toni und Moni oder: Anleitung zum Heimatroman“ ein Jahr zuvor den mit 35.000 Euro dotierten WORTMELDUNGEN-Literaturpreis erhalten hatte. Angelehnt an ihren Preisträgerinnentext hatte die Österreicherin junge Autor*innen mit der Fragestellung „Hinter dem Zaun – Was bringt Heimat zur Sprache?“ im letzten Jahr aufgefordert, mit bisher unveröffentlichten Kurztexten zu antworten. Am vergangenen Freitag hat Piuk nun den Förderpreis an drei Nachwuchsautorinnen vergeben, weitere neun Shortlist-Autor*innen waren nach Frankfurt gereist, um im Rahmen der langen Lesenacht aus ihren Texten vorzulesen.  

Die drei Gewinnerinnentexte näherten sich auf ganz unterschiedliche Weise der von Piuk formulierten Fragestellung: als rasante Milieustudie, als rauschhafte und assoziative Situationsskizzen, als dystopisches Generationenporträt. Gemeinsam sei allen dreien neben der hohen literarischen Qualität die Beschwörung einer beklemmenden Atmosphäre der Verlorenheit, so die Begründung der Jury. 

„In Sophie Baumbergs Text Doppel D, ungebräunt werden keine Maschendrahtzäune gespannt, keine Grundstücksgrenzen gezogen, keine Grenzzäune aus Stacheldraht. Eine Grenze gibt es dennoch und sie verläuft zwischen Oben und Unten. Zwischen Arm und Reich. Und zwischen Arm und noch Ärmer.“ brachte Petra Piuk den ersten Gewinnertext auf den Punkt. Bei Baumberg sei Heimat die besungene „Gosse“, ein „plattgetretener Pappkarton“, im besten Fall eine Straßenbahnhaltestelle.

Die Erzählung der gebürtigen Polin Magdalena Kotzurek Eh, Macarella spielt auf einer Baleareninsel und behandelt die Themen Tourismus und Massentourismus. Der Begriff Heimat komme in Kotzureks Text gar nicht mehr vor, so Piuk, weil er für die Protagonist*innen, deren Identitäten unklar und fließend seien, keine Rolle mehr spiele. „Nächstes Jahr? Ziehe ich weiter, erst mal von Insel zu Insel, ich gehe immer schon, bevor es schlimm geworden ist“, zitiert Piuk Kotzureks Text und unterstreicht damit das heute vorherrschende Gefühl des Getrieben- und Nicht-bei-sich-seins.

Die dritte Preisträgerin Leona Stahlmann beschreibt in ihrer Erzählung Mutterland ihre Zeit als Texterin in einer Werbeagentur. Sie habe diesen Text geschrieben, weil man „der modernen Arbeitskultur, die sinnlos ist und sprachlos macht, nur eines entgegenschleudern kann: Sprache.“, bringt Piuk die Motivation der Hamburgerin zur Teilnahme am WORTMELDUNGEN-Förderpreis auf den Punkt. Mit Sätzen wie „Heimat ist der Ort, an den unsere Pakete geliefert werden“, treffe die Autorin den Nerv der Zeit. Kommendes Jahr erscheint Stahlmanns erster Roman im Verlag Kein & Aber.

Im heimeligen Ambiente des frankfurtersalons mit seinen Plüschsesseln aus Omas Zeiten, Ölgemälden und gedämpfter Beleuchtung bot die lange Lesenacht auch allen anderen Autor*innen der Shortlist Gelegenheit, vor Publikum aus ihren Texten zu lesen: Justine Z. Bauer, Katherina Braschel, Katja Sophia Ditzler, Hank M. Flemming, Daria Kramskaja, Marcel Menne, Deniz Ohde, Fiona Sironic und Dilan Zoe Smida. Dazwischen legte DJ Mario y Gonzales Musik zu den Themen Heimat, Sprache und Identität auf. Florian Werner moderierte den Abend mit Fragen an alle Autor*innen.

Auch in diesem Jahr sind junge Autor*innen aufgerufen, sich für den WORTMELDUNGEN-Förderpreis zu bewerben. „Im Schreiben tauschen Tote und Lebende höflich die Plätze. Oder: Kann man dem Tod die kalte Schulter zeigen?“ lautet die Fragestellung von Thomas Stangl, dem aktuellen Träger des WORTMELDUNGEN-Literaturpreises 2019.

Noch bis Ende Juni 2019 haben deutschsprachige Autor*innen bis 30 Jahre, die noch keine eigenständige literarische Buchpublikation verfasst haben, Gelegenheit, sich mit einem unveröffentlichten Kurztext (Essay, Rede, kurze Prosa, Erzählung) von vier bis acht Seiten Länge für den Förderpreis zu bewerben.

Die vollständige Ausschreibung sowie ein Formblatt zum Herunterladen finden Sie hier!

Über den Literaturpreis WORTMELDUNGEN
WORTMELDUNGEN – Der Literaturpreis für kritische Kurztexte wird von der Crespo Foundation ausgelobt. Er ist mit 35.000 Euro dotiert und wird jährlich für herausragende literarische Kurztexte verliehen, die in der Auseinandersetzung mit aktuellen gesellschaftspolitischen Themen den Nerv der Zeit treffen. Der mit 15.000 Euro dotierte Förderpreis soll junge Autor*innen motivieren, sich mit dem Thema des Gewinner*innentextes auseinanderzusetzen und eine eigene literarische Position zu formulieren.

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Fotos: Petra Piuk bei der Vergabe der WORTMELDUNGEN-Förderpreise an die drei Gewinnerinnen Sophie Baumberg, Magdalena Kotzurek und Leona Stahlmann / fotografiert von Jessi Schäfer