Kunstprojekt »Mythen, Sagen und Legenden Wiens« 2009/10

Oktober 2009 startete das Filmprojekt »Mythen, Sagen und Legenden Wiens« im Rahmen von START-Wien. Die Fernsehjournalistin Koschka Hetzer-Molden und ihr Team begannen mit 40 Teenagern unterschiedlicher kultureller Abstammung einen kreativen Prozess, der Kunst, Kultur und Tradition ihrer »neuen« Stadt untersuchte. Thematischer Ausgangspunkt des Projekts war das »Erinnerungspotential« dieser Stadt, ihre Phantasien, Träume und Legenden, denen die Schüler filmisch auf die Spur kommen sollten.
Aida, Malva, Leyla, Laura und Djana zum Beispiel wussten kaum etwas über Freud, als sie ihn zum Thema ihres Films wählten… da kam ihnen dessen legendäre Couch, bekanntestes Requisit seiner Traumdeutung, gerade recht, einen spielerischen Einstieg ins Thema zu finden. Was wurde da nicht alles parallel geübt… wie, zum Beispiel, macht man eine Recherche? Was braucht es für ein gutes Drehbuch, was bedeutet Kameraführung, wie verwendet man Stimmungen und Geschwindigkeiten, Musik und Sekundärmaterial für einen Film?
Heraus kamen acht Kurzfilme, die sich auf ganz unterschiedliche Weise mit den Mythen, Sagen und Legenden Wiens beschäftigten. Alles in eigener Regie!
Präsentiert wurden die acht Filmbeiträge am 20. Mai 2010 im Festsaal des Technischen Museums Wien.

Kurzinfos   

Projektleitung: Koschka Hetzer-Molden
Assistenz/Lehrer für Computerschnitt: Daniel Roman
Kamera/filmische Beratung: Stephan Mussil
Projektbeginn: Herbst 2009

Wir danken dem Rumänischen Kulturinstitut Wien für die
Unterstützung des Kunstprojektes 2009/10 mit Koschka Hetzer-Molden!



Koschka Hetzer-Molden, Projektleiterin des aktuellen Kunstprojekts in Wien, über ihre Arbeit mit den START-StipendiatInnen

»In acht Kurzfilmen beschäftigen sich 40 Jugendliche mit Mythen und Legenden, Tradition und Geschichte Österreichs. Ihre Familien stammen aus vielen Teilen der Welt; es sind Migranten. Teils wurden sie schon in Wien geboren, bereits die Eltern mussten sich mit der neuen Umgebung, mit Sprache, Kultur und Tradition auseinandersetzen. Andere sind als Kinder oder Jugendliche hierher geflüchtet. Österreich ist ihre neue Heimat. Diese aus einem anderen Blickwinkel besser kennen zu lernen, ist ein wesentliches Ziel unseres Kunst-Projekts.
Wie wir vorgehen?
‘Vielfalt statt Einfalt’ ist unser Motto! Für mich als Projektleiterin eine sehr komplexe Aufgabe. Dazu gehören Organisation, Recherche, Dramaturgie, Interviews, Sprache  -  und schöpferische Ermutigung. Es gilt, Freunde zu finden, die uns künstlerisch unterstützen. Wir entdecken möglichst unterschiedliche Orte für Filmaufnahmen, lernen, Wien mit neuen Augen zu sehen - und mit einer neuen Optik, der Kamera-Optik. Der international preisgekrönte Kameramann Stephan Mussil unterstützt die Stipendiaten dabei. Unser Allround-Künstler Daniel Roman, selbst Emigrant aus Rumänien, ist nicht nur für Schnitttechnik verantwortlich, er kann auch Bühnenbilder bauen und SISI-Frisuren zaubern...
Was wir uns so ausgedacht haben…?
Einige START-Stipendiatinnen wollen zeigen, dass in 'jeder Frau eine SISI steckt’. Sie lassen Kaiserin Elisabeth und ihre Gedichte wieder aufleben. Eine andere Gruppe hat sich das Thema ‘Multikulturelles Wien’ ausgesucht. Gibt es in dieser Stadt das Paradies des Ethno-Mix? André Heller, unser prominenter Interviewpartner, wird dazu Stellung beziehen. Neben der Wiener Hofburg, in der die ‘weiße Frau’ (dargestellt von Kammerschauspielerin Andrea Jonasson) noch immer herumgeistern soll, haben wir auch im ältesten Kino der Welt eine Veranstaltung von Obdachlosen gefilmt. Sie finden im gemeinsamen Musizieren eine Art von Heimat. Heimat, ein ‘Mythos’…   
Wer in Österreich nichts von Sigmund Freud weiß, sollte das nachholen. Eine Stipendiaten-Gruppe macht sich auf die Suche nach der legendären ‘Couch’ und lernt dabei einiges über den weltberühmten Psychoanalytiker. Ich freue mich sehr, dass sich auch eine Gruppe mit österreichischer Geschichte beschäftigt. Sie haben sich das Zeichen ‘O5’, eingraviert am Wiener Stephansdom, vorgenommen. ‘O5’ ist heute schon ein Mythos: das geheime Zeichen der Österreichischen Widerstandsbewegung gegen Hitler. Auch heute noch kann man sich Wien nicht ohne die großen geistigen und künstlerischen Leistungen des Judentums vorstellen. Viel ist in der Zeit des Nationalsozialismus verloren gegangen. Und dann noch unsere Fußball-Gruppe mit ihren Sport-Legenden Rinaldo und Zidane. Das waren noch Kerle mit Charakter!
Fremdsein kann hilfreich sein. Spät, aber doch...
Ein solches Projekt zu leiten, setzt Sensibilität und Verständnis voraus. Dabei hilft mir meine eigene Vergangenheit: Migration/Emigration, Flucht und Lager haben meine Kindheit bestimmt. Ich habe Erfahrung mit der ‘Fremde’; sie hat mich nie verlassen. Ich konnte aber viele Erinnerungen in meinen Fernsehfilmen verarbeiten. Und in meiner Annäherung an Menschen.
Wenn’s aus sein wird...
Am 20. Mai 2010 endet unser Kunstprojekt mit einer Vorführung aller acht Kurzfilme im Rahmen einer Festveranstaltung in Wien. Es werden gute Beiträge von jungen Leuten sein, die zum ersten Mal mit der Filmkamera unterwegs waren. Ich bin schon jetzt fast zufrieden. Der Gedanke, was wir im Rahmen unseres Kunstprojektes allerdings noch zusätzlich hätten anstellen, entdecken, kennen lernen können, wie viele Ideen wir noch  hätten verwirklichen, welche interessanten Persönlichkeiten aus Österreich wir noch hätten treffen können... das wird mich unzufrieden zurück lassen. Allerdings gehört Unzufriedenheit auch zu einem kreativen Prozess...«


Zuhause und doch fremd

Daniel Roman, Projektassistent bei »Mythen, Sagen und Legenden Wiens«, über die Arbeit mit den START-Stipendiaten  

Inwieweit hat Ihre eigene Herkunft und Geschichte in der Zusammenarbeit mit den ausländischstämmigen Schülern eine Rolle gespielt?
Daniel Roman: Da ich, bei der Flucht 1989 aus Rumänien, wie manche Stipendiaten in Lebensgefahr war, weiß ich deren Mut und Willen zu schätzen und zu respektieren. Wir lernen dauernd von- und miteinander: Sensibilität und Verständnis, Toleranz und Akzeptanz, um in der neuen Heimat Geborgenheit fühlen zu können.
Wie haben Sie die Kreativität der jungen Leute in Schwung gebracht?
Daniel Roman:
Kunst versöhnt uns mit dem Leben, sie macht uns frei. Nur durch diese Freiheit und Kreativität wachsen wir. Ich glaube, dass die große Kreativität der Stipendiaten durch die Professionalität und Erfahrung unseres Projekt-Teams und der Mitwirkenden (Andrea Jonnason, Schauspielerin, André Heller Künstler,  Brigitte Schwaiger, Schriftstellerin) gefördert wurde. Das gute  Arbeitsklima beim Videoschnitt, zusammen mit unserer Regisseurin Koschka Hetzer-Molden bei ihr zuhause. Und nicht zuletzt die Gastfreundschaft von Dr. Gabriela Koschatzky in ihrer Wohnung im Schloss Schönbrunn.  
Warum ist das Medium Film für junge Leute besonders spannend, um künstlerische Erfahrungen zu sammeln?
Daniel Roman:
Es ist der gesamte Prozess bis zur Entstehung eines Films!  Angefangen bei Idee, Konzept, Dramaturgie, Videoaufnahme, Ton und Bildschnitt, der wiederholten Korrektur und den Sprechübungen. Das hat unseren Stipendiaten eine breite Palette an Reizen der verschiedenen Sinne gebracht...
Welches Thema würden Sie für ein zukünftiges Projekt mit den START-Stipendiaten vorschlagen?
Daniel Roman:
Da sie hochintelligent sind und eine Reihe von Talenten und Begabungen zu entdecken war, möchte ich diese Vielfalt in ein Theaterstück  verwandeln: »POTPOURRI« - eine Performance, in die andere Jugendliche  eingreifen können. 
Gab es von Seiten der Schüler Aussagen zum Projekt, die Ihnen in Erinnerung bleiben werden?
Daniel Roman:
Ehrliches »Dankeschön« gab es immer. Darüber hinaus gab es  glückliche Gesichter, strahlende Augen und das Gefühl, die Arbeit gut gemacht zu haben. Das ist mehr als Worte. Dafür bedanke ich mich bei allen Stipis, besonders bei jenen, die sich enorm diesem Filmprojekt gewidmet haben!




Ansprechpartner

Cora Stein
Telefon: +49 (0)69 271079514
cora.stein(at)crespo-foundation.de

Katrin Bernd
Programmleitung START-Österreich
Telefon: +43 1 585389630
bernd(at)start-stipendium.at

Kooperationspartner und Links

Verein START-Stipendien Österreich
Währinger Straße 2-4
1090 Wien
Österreich
www.start-stipendium.at

Mit besonderem Dank an Dr. Heinz Löber
für die Unterstützung des Kunstprojekts
»Storytelling/Zeit-Geschichten« 2010/11!


Fotos

Stephan Mussil
Eva Schlegel
Jürg Christiandl
Jörg Baumann

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