Evaluation des Projekts

1. Das Projekt KOMM! unternimmt den anspruchsvollen Versuch, junge Erwachsene, zumeist ohne Schulabschluss und „Hartz-IV“- Empfänger, dazu zu bringen, Selbstverantwortlichkeit, Kreativität, Gruppensolidarität, Regelmäßigkeit, „Teamwork“ und andere Attribute der Arbeitswelt gleichsam künstlerisch zu erlernen oder zu reaktivieren. Dabei erweist sich die bildende Kunst in Form von Malen, Zeichnen, Fotografieren als Mittel zum Zweck: Unter kompetenter Anleitung von einer Kunstpädagogin und einer Künstlerin scheint dieser anspruchsvolle Versuch nach erstem Augenschein zu funktionieren. 

2. Dieser – zunächst unter Vorbehalt – formulierte Eindruck basiert auf einer teilnehmenden Beobachtung vom 14. August und sechs Einzelinterviews sowie einigen Hintergrundgesprächen vom 21. August. Beide Instrumente – teilnehmende (offene und strukturierte) Beobachtung und Leitfadeninterviews – sind probate soziologische Instrumente und gewährleisten ein hohes Maß an Praxistauglichkeit. 

3. Nach Lage der Dinge entwickeln die Jugendlichen / jungen Erwachsenen jenes in der KOMM!- Projektbeschreibung antizipierte Bewusstsein von Selbsttätigkeit, Teamfähigkeit und Zielorientierung (Vorbereitung der Ausstellung), das nötig ist, gemeinsam ein ordentliches Werkstück hinzubekommen. Sechs Jugendliche arbeiten regelmäßig mit und haben sich als Gruppe konstituiert. Bei den anderen vier, die nicht mehr dabei sind, erwiesen sich externe Faktoren als Hindernis, weiterzumachen (familiäre Gründe, Sozialamt etc.)

4. So wie es aussieht, funktioniert das Konzept mittels der bildenden Kunst, kreatives Potenzial bei den TeilnehmerInnen, die zum großen Teil aus schwierigen familiären und sozialen Verhältnissen kommen, freizusetzen. Drei von sechs TeilnehmerInnen gaben an, jetzt auch in der Freizeit zu malen (Graffiti) oder zu zeichnen (!). Überdies wurden die Museumsbesuche positiv aufgenommen – fünf von sechs TeilnehmerInnen hatten vorher noch nie ein Museum betreten. 

5. Ferner zeigt sich, dass mit dem startHAUS sowohl die notwendige logistische als auch soziale Infrastruktur vorhanden zu sein scheint, um ein solches Projekt durchzuführen. Alle Teilnehmer sind in entsprechenden sozialen Arbeits- oder Lernmaßnahmen, die über das startHaus laufen. Das startHaus-Team sorgt für den nötigen Impuls oder Druck, den die Jugendlichen mitunter brauchen, zumal viele von ihnen bestimmte soziale Kompetenzen erst wieder erlernen müssen. Insgesamt stößt das Projekt bisher auf eine hohe Akzeptanz, es sieht danach aus, dass die erste Gruppe erfolgreich die Ausstellung am 16. September 2006 bewerkstelligen wird und bei den Einzelnen bezüglich KOMM! positive Konnotationen vorhanden bleiben.

Dr. Jens Becker
Katharina Zoll, M.A.

Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt


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Dr. Jens Becker
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