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Vorlesen in Familien

»Nie zuvor hatte sie gewusst, dass auch Worte schön sein konnten, und nun erfuhr sie es, und sie sanken ihr in die Seele wie Morgentau auf eine Sommerwiese.«
(Astrid Lindgren, »Klingt meine Linde«)


Kinder erleben die Situation, in der eine Stimme sie in neue Welten entführt, als magische Zeit; das Vorlesen als Hinwendung, die sie ins Zentrum des Geschehens und Erlebens rückt.

Kaum ein Kind, das dieses Ritual nicht liebt und immer wieder einfordert.
Das Projekt »Vorlesen in Familien« schickt speziell ausgebildete ehrenamtliche VorleserInnen in Familien, in denen solche Strukturen nie existierten oder verloren gegangen sind. Als Ursache sind oft fehlende Bildungsmotivation, soziale Not und damit einhergehende emotionale Beschädigungen der betroffenen Familien anzusehen.

Das Angebot des Projekts gilt jenen Kindern, die in der Folge solcher Umstände schwere Defizite beim Sprechen und Lesen aufweisen. Vorlesen in Familien setzt dabei ganz auf die heilende und geistig anregende Wirkung des Vorlesens für die Kinder, verbunden mit einer motivierenden psychologischen Unterstützung der Erwachsenen.


Fakten kurz gefasst

Das Pilotprojekt »Vorlesen in Familien« fördert durch seinen ganzheitlichen, Bildungs- mit Sozialarbeit koppelnden Ansatz Kinder, deren sprachliche und kognitive Entwicklung in ihren Familien nicht ausreichend gefördert wird. Speziell geschulte ehrenamtliche VorleserInnen bieten den Familien kommunikative Modelle an, mit denen sie die Kinder auf ihrem Bildungsweg unterstützen und fördern können.

Projektträger
Zentrum für Literatur an der Phantastischen Bibliothek Wetzlar
Ausbildung          
Die ehrenamtlichen Vorleser erhalten eine einjährige,      literaturtherapeutisch orientierte Ausbildung, die u.a. Sprechausbildung, interkulturelles Training, Vorleserituale und kinderpsychologische Grundkenntnisse umfasst.
Vorlesestunde
In der emotional zugewandten, dialogischen Vorlesesituation vermitteln die Vorleser sprachfördernde und bildungsmotivierende Strukturen.
Netzwerk
Familienunterstützende, präventive und frühfördernde Institutionen aus dem Lahn-Dill-Kreis und in Gießen.
Projektkontakt
Angelika Nitschke
zfl@phantastik.eu





Was ist Vorlesen in Familien

Vorlesen in Familien ist ein Pilotprojekt. Richtungweisend verbindet es Bildungs- und Sozialarbeit zu einem ganzheitlichen Angebot, das nicht nur die Sprach- und Leseschwächen der Kinder, sondern auch das Klima innerhalb der Familien zu verbessern sucht. Den Ergebnissen der Pisa-Studie zufolge sind es besonders sozial benachteiligte Familien, bei denen Antriebsschwäche und fehlende Eigenverantwortung der Erwachsenen direkt auf die schulischen Leistungen der Kinder durchschlägt.

Dieser Zusammenhang fällt gerade in Deutschland besonders ins Gewicht, da das deutsche Schulsystem in seiner Struktur zu wenig Raum für die Integration und Förderung von »Nachzüglern« bietet. Wenn dann noch den Ablenkungen von Fernsehen, Computer und Internet keine Grenzen gesetzt werden, sind Fehlentwicklungen der Kinder geradezu vorprogrammiert. Dem gilt es entgegenzusteuern: Zeitgemäße, doch vor allem einfühlsame Konzepte zur Frühförderung von Kindern im Rahmen familienunterstützender Maßnahmen sind gefragt.

Vorlesen in Familien ist ein Projekt des Zentrums für Literatur an der Phantastischen Bibliothek Wetzlar, getragen von der Crespo Foundation. Es bildet in einem einjährigen, literaturtherapeutisch ausgerichteten Studium ehrenamtliche Helfer zu VorleserInnen aus,
um sie später projektbezogen einzusetzen. Die Ausbildung beinhaltet Sprechtraining, interkulturelles Training, das Erlernen von Vorleseritualen und Kenntnisse in elementarer Kinderpsychologie. 2007 gestartet, ist das Programm zunächst auf einen Zeitraum von drei Jahren konzipiert. Es wird vom Institut für Erziehungswissenschaften der Phillips-Universität Marburg beobachtet, evaluiert und wissenschaftlich begleitet.


Struktureller Ansatz

Der strukturelle Ansatz von Vorlesen in Familien ist denkbar einfach, dabei umso wirkungsvoller: Er beruht auf der Idee, ehrenamtliche, also »private« Personen als VorleserInnen einzusetzen.
Anders als bei »verordneten« amtlichen Hilfeleistungen bleibt die Würde der Erwachsenen somit intakt; die Ehrenamtlichen wirken mit dem Angebot einer Vorlesestunde weder übergriffig noch maßregelnd. Der Vorschlag wird über Lehrer, Erzieher und Betreuer in Kindergärten kommuniziert, die Familien entscheiden von sich aus, ob sie die VorleserInnen einladen wollen. Das Zentrum für Literatur koordiniert die Termine.

Ist der Kontakt zu den Familien erst einmal geknüpft, liegt es an den Vorlesenden, ihn über weitere Sitzungen und Gespräche zu vertiefen und in der behutsamen Arbeit mit allen Beteiligten eine Atmosphäre zu schaffen, die Bildung und Selbstmotivation wieder möglich macht. Denn nur, wenn Kinder die Freude an Sprache und Schrift entdecken, Erwachsene
den Zusammenhang zwischen Sprachkompetenz und sozialer Stellung erfassen, kann der
oft schon Generationen währende Teufelskreis zwischen Armut, Ausgegrenztsein und schulischem Scheitern durchbrochen werden.
In der praktischen Umsetzung des Projekts tritt mehr spielerisches zutage, als Konzeptbeschreibungen liefern können: Denn Menschen finden und verbinden sich über Bücher. Deshalb sind auch Freunde der Kinder zu den Vorlesestunden willkommen.
Die Texte sind auf den Entwicklungsstand der Kinder abgestimmt und werden ihnen überlassen. In Migranten- oder Analphabetenfamilien können dies auch Hörbücher sein.

Gerade in den SprachSpielräumen von Kinderliteratur wächst die Phantasie, die Assoziationsfähigkeit, das Miteinander. Im Ritual des Vorlesens in den Familien kann sich - losgelöst von ungelenker Alltagssprache und eingefahrenen Beziehungen - ein gemeinsam erlebter poetischer Raum offenbaren. Die Eltern haben die Chance, selbst wieder Zugang zu neuen Gefühlswelten zu bekommen, Erfahrungen nachzuholen, die in der eigenen Persönlichkeitsentwicklung bislang fehlten.
Vorlesen in Familien ist so in Haltung und Struktur ein ganzheitliches Projekt, das die Familie als Kern einer jeden sozialen Gesellschaft begreift und genau dort fördernd ansetzt.

Der Träger des Projekts, das Zentrum für Literatur, hat seinen Sitz in der Phantastischen Bibliothek Wetzlar, dessen personelle und organisatorische Ressourcen es nutzen kann. Im Auftrag des Hessischen Kultusministeriums und des hessischen Ministeriums für Wissenschaft und Kunst hat es die Aufgabe übernommen, Lese-, Literatur- und Sprachförderung für Schulen und Kindertagesstätten anzubieten. Pädagogische Leiterin des Projekts ist Angelika Nitschke, die als aktive Lehrerin den unmittelbaren Kontakt zu den Schulen gewährleistet. Die Crespo Foundation unterstützt Vorlesen in Familien im Rahmen ihrer Kernziele Bildungsförderung und Persönlichkeitsentwicklung.


Ansprechpartner

Cora Stein
Telefon: +49 (0)69 27 10 795 14
cora.stein(at)crespo-foundation.de

Zentrum für Literatur
Angelika Nitschke

Telefon: +49 (0)64 41 40 0 10
zfl(at)phantastik.eu

Kooperationspartner und Links

Zentrum für Literatur in der
Phantastischen Bibliothek Wetzlar

Turmstraße 20
35578 Wetzlar
www.phantastik.eu

Phillips-Universität Marburg
Fb. 21 – Erziehungswissenschaften

Wilhelm-Röpke-Straße 6b
35032 Marburg
www.uni-marburg.de/fb21/erzwiss

 

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