Gängstar

»Don’t push me ’cause I’m close to the edge. I’m trying not to loose my head.«
(Auszug aus einem Text des Rappers Grandmaster Flash)

»Gängstar« wendet sich mit seinen Workshops gezielt an Schulklassen, in denen Aggression und Mobbing an der Tagesordnung sind. Das Projekt nutzt kreative Elemente der Hip-Hop-Bewegung - eine gerade bei »schwierigen« Jugendlichen oft akzeptierte Form offensiver künstlerischer Selbstdarstellung - um destruktive Energien im Klassenverband zu bündeln und positiv umzuformulieren.
Hierbei arbeitet Gängstar bewusst auch mit der jeweiligen »Peer Group« zusammen: jenen Jugendlichen, die mit ihren Stimmungen und Meinungen die Dynamik ihrer Klassen prägen.
Dies können durchaus aggressive, dominante Persönlichkeiten sein, die ihre Stärke aus der Identifikation mit Hip-Hoppern und vergleichbar »bösen« Selbstdarstellern aus dem Musikbereich beziehen.
Das innovative pädagogische Konzept von Gängstar macht sich somit mehrere Potentiale zu Nutze: Zum einen verwendet es Hip-Hop, Graffiti und Breakdance als kreative Angebote, zum anderen arbeitet es gezielt darauf hin, die Meinungsbildner unter den Jugendlichen als Multiplikatoren zu gewinnen.


Fakten kurz gefasst

Die Hip Hop-Kultur birgt großes Potenzial für kreative Jugendarbeit. »Gängstar« ist ein Projekt für Schulklassen, in denen Aggressionen und Mobbing herrschen. Über Hip Hop soll das soziale Miteinander in den Schulklassen gestärkt und damit die Lernbedingungen verbessert werden.

Projektträger
startHaus – Innovative Pädagogik GmbH, Offenbach
Projektdauer   

Schuljahr 2008/2009, wöchentlich 2 x 2 Schulstunden

Workshop

Der Workshop umfasst Theorie und Praxis. Er beleuchtet die aggressiven, sexistischen und kommerziellen Aspekte des Hip Hop und nutzt das kreative Potenzial des Hip Hop. Schülerinnen und Schüler schreiben eigene Texte, setzen sie musikalisch um, lernen Breakdance und Sprayen.

Projektziele

Die Teilnehmer sollen lernen, das eigene Verhalten,
das der Umwelt sowie aktuelle Modeerscheinungen zu hinterfragen. Außerdem soll Gängstar ihre Empathie, Teamfähigkeit und Fantasie fördern.

DokumentationDie Workshopleiter erstellen Berichte mit allgemeinen Beobachtungen sowie Einzelbeurteilungen der Lehrer und Schulleitung.
Projektkontakt
Kadim Tas
kadim.tas(at)starthaus.org



Was ist Gängstar

Gängstar ist ein Konzept von startHAUS, Innovative Pädagogik GmbH Offenbach.
Die Crespo Foundation förderte das Projekt im Schuljahr 2008/2009; bislang wurde es an drei
Offenbacher Schulen durchgeführt.
Maßgeblich für die Förderung war der Ansatz von startHAUS, der die künstlerischen Ausdrucksmittel der Hip-Hop-Kultur zum Ausgangspunkt für eine präzise auf die Zielgruppe zugeschnittene, kreative Herangehensweise macht.
Der Hip-Hop hat seinen Ursprung - ebenso wie Graffiti und Breakdance – in einer politischen und gesellschaftskritischen Bewegung, die während der 70er Jahre in den afroamerikanischen Ghettos von New York entstand. Einst kulturell begründet und mit Visionen sozialer Gleichberechtigung befeuert, ist er im Laufe der Jahre zu einer kommerziell äußerst lukrativen Arena aggressiver Selbstdarstellung, Diskriminierung und Gewaltverherrlichung mutiert.
In Texten und Habitus der Stars der Szene sind die politischen Ideen und Impulse der Anfangszeit mittlerweile nicht mehr anzutreffen.

Dennoch gibt es viele Jugendliche, die sich mit der Aggression identifizieren, die den musikalischen Produktionen ihrer Idole zugrunde liegt. Selbst in benachteiligten Verhältnissen aufwachsend, glauben sie, durch Nachahmung der Gewaltverherrlichung ihrer Idole zu sozialer Anerkennung in ihren Milieus zu gelangen. Der exzessiv zur Schau getragene Reichtum, doch vor allem die Egomanie der Hip-Hop-Protagonisten lässt viele annehmen,
die Chancen für wirtschaftlichen Erfolg und gesellschaftlichen Status lägen darin, sich selbst auf Kosten anderer bis ins Uferlose zu erhöhen. Schlussfolgerung: Wer brutal ist, wird reich. Und wer reich ist, bestimmt die Regeln. Von der politisch interessanten Historie, dem Solidaritätsgefühl dieser einstigen Protestbewegung, wissen die Heranwachsenden oft nichts.

Genau auf diese Wurzeln bezieht sich Gängstar. Die Hemmschwelle des Projekts ist dabei bewusst niedrig gehalten: es macht den Jugendlichen ein kreatives Angebot, das innerhalb ihres emotionalen Erfahrungshorizonts ansetzt. Das Konzept beginnt mit einem theoretischen Part, der den SchülerInnen Anfänge und Inhalte der Bewegung vor Augen führt. Am Beispiel des Hip-Hop sollen sie ein Gefühl dafür entwickeln, unter welchen Umständen einzelne Gruppen innerhalb einer Gesellschaft aufbegehren, welche Dynamiken daraus entstehen können, was solche Bewegungen mit ihnen, ihrem eigenen Leben, zu tun haben könnten.

Gängstar arbeitet mit den ursprünglichen Inhalten und Medien der Hip-Hop-Kultur. Im wachsenden Verständnis für die Wurzeln der Musikrichtung, des Breakdance und des Graffiti erhalten die SchülerInnen die Chance, ihr eigenes Verhältnis zur Gesellschaft neu zu reflektieren. Der Prozess der Selbstfindung beginnt dort, wo klar wird, dass mehr Kraft darin wohnen könnte, eine eigenständige Meinung auszubilden, als blindlings den Botschaften kommerziell produzierter »Idole« zu folgen. Im Folgenden gilt es, solche ersten Anstöße nachhaltig in den Köpfen der Jugendlichen zu verankern.


Workshops in den Klassen

Beginnend mit gruppendynamischen Übungen werden zweimal wöchentlich für zwei Stunden Workshops in den Klassen der beteiligten Schulen abgehalten. Hier erproben die SchülerInnen in kleinen Gruppen je nach Neigung ihre Fähigkeiten, eigene Hip-Hop-Texte zu schreiben und musikalisch umzusetzen, Graffitis zu sprayen oder Breakdance-Techniken zu praktizieren.
Ziel ist es, die erworbenen Fähigkeiten nach Ende des Schuljahres in einer gemeinsamen Aufführung oder Aktion an die Öffentlichkeit zu bringen.
Im Laufe der Workshops lernen die Teilnehmer, ihre Kräfte und Talente realistisch einzuschätzen, um an ihnen arbeiten zu können. Da sind zunächst Kernkompetenzen zu verbessern: Teamfähigkeit, Empathiefähigkeit, Selbstdisziplin. Kreativität entwickeln, lenken, zu einem vorzeigbaren Ergebnis bringen. Das Lernen lernen - gekoppelt an den Mut, die eigenen Grenzen zu überschreiten.
Hinzu kommen gruppendynamische Erfahrungen: Geführt von erfahrenen Pädagogen wird gemeinsam an Bewegungsabläufen, Texten, kalligraphischen Umsetzungen gearbeitet. Die Heranwachsenden erleben sich darin, eigene Gefühle, Erfahrungen offenzulegen, um den kreativen Prozess innerhalb der eigenen Gruppe voranzutreiben. Arbeitsschritte werden gemeinsam geplant, Misserfolge in der Gruppe erörtert und akzeptiert. Daraus erwächst Solidarität. Aus dem Nicht-aufgeben entsteht neues Selbstwertgefühl.
Die einzelnen Projektmodule sind von den erfahrenen startHAUS-Pädagogen methodisch und didaktisch ausgearbeitet und darauf angelegt, alle Jugendlichen in den Prozess zu integrieren. Dabei gilt es, die Partizipation sowohl der »Stärksten« wie auch der »Schwächsten« zu erreichen.
Das Projekt wird von startHAUS in alleiniger Regie und in enger Kooperation mit den Lehrerinnen und Lehrern durchgeführt. Beteiligt sind die Schillerschule, die Edith-Stein-Schule und die Ernst-Reuter-Schule. Alle drei Schulen befinden sich in Offenbach am Main.


Ansprechpartner

Cora Stein
Telefon: +49 (0)69 27 10 795 14
cora.stein(at)crespo-foundation.de

startHAUS GmbH
Kadim Taş / Koordination Jugendarbeit

Telefon: +49 (0)69 82 78 62 0
kadim.tas(at)starthaus.org

Kooperationspartner und Links

startHAUS GmbH
Innovative Pädagogik GmbH

Lilistraße 6
63067 Offenbach
www.starthaus.org

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