Kita Tanz
»Bewegungskompetenz« ist ein Wort aus der Erwachsenenwelt. »Herumtoben« ist das, was Kinder gerne tun…
»Kita Tanz« bringt Methode und Potential zusammen. Das Projekt zielt mit einem explizit künstlerischen Ansatz darauf ab, die Bewegungskompetenz der teilnehmenden Kinder feiner auszubilden und zu stärken. Dabei untersucht und evaluiert das Programm, wie eine solche »ästhetische Erziehung« auf andere Bereiche kindlichen Sozialverhaltens abstrahlt.
Tanz als künstlerisches Konzept zur Stimulation der körperlichen, mithin auch der Persönlichkeitsentwicklung: Die Erkenntnisse von Kita Tanz sollen als Weiterbildungsangebot in Zukunft allen Einrichtungen zur Verfügung stehen, die neue Wege zur Förderung frühkindlicher Potentiale erproben wollen.
Ziel des Projekts »Kita Tanz« ist es - neben der Entwicklung und Stärkung von Bewegungskompetenz - Antwort zu finden auf pädagogische Fragestellungen: Kann ein musischer Schwerpunkt als Katalysator für die pädagogische Arbeit in einer Kita wirken?
Wie wird durch Tanzen das soziale Miteinander in einer Kita gestärkt? Lassen sich Erfahrungen aus dem Tanz auf pädagogische Aktivitäten und andere Lernprozesse übertragen? Welche Kompetenzen gehen mit der Entwicklung von Bewegungskompetenz einher?
| Projektpartner | Städtische Kita 101 und Kita 79 (Frankfurt am Main) und Crespo Foundation mit der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt am Main (HfMDK), Lehrstuhl für Bildungswissenschaften der Universität Koblenz-Landau, Sigmund-Freud-Institut Frankfurt am Main | |
| Projektbeginn | Januar 2008 | |
| Projektleitung | Nira Priore Nouak | |
| Projektverlauf | Tänzerische Arbeit mit ErzieherInnen, Tänzerische Arbeit mit Kindern (Vorschulalter), Weiterbildung der ErzieherInnen, Tanzaufführungen | |
| Projektkontakt | Nira Priore Nouak priore(at)zeitform.de | |
Kita Tanz ist ein Projekt der Crespo Foundation, dem die visionäre Idee des Kindergartens
als Lebensort und Stätte ästhetischer und musischer Bildung zugrunde liegt. Partner sind die Hochschule für Musik und darstellende Kunst, der Lehrstuhl für Bildungswissenschaften der Universität Koblenz-Landau und das Sigmund-Freud-Institut Frankfurt am Main.
Kita Tanz ist so konzipiert, dass Tanz und Bewegung als wesentliche Elemente ästhetischer Bildung im Alltag einer Kindertagesstätte etabliert werden. Ziel der Maßnahme ist es, den ErzieherInnen mittels Weiterbildung innovative Werkzeuge der Körperarbeit an die Hand zu geben, um die ihnen anvertrauten Kinder für Grund- und weiterführende Schulen fit zu machen. Das Projekt ist eine pädagogische Versuchsanordnung; es erprobt, wie Kinder über den Umgang mit dem eigenen Körper neue physische und psychische Fähigkeiten gewinnen können.
Die heutige Lebenswelt der Kinder, gerade solcher mit Migrationshintergrund, entfernt sich zunehmend von früher tragfähigen familiären und sozialen Strukturen. So werden gerade in Kindertagesstätten zukunftsweisende Modelle zur Stärkung sozialer Kompetenz erforderlich.
Zahlreiche Studien belegen, wie Kindern aus benachteiligten familiären Situationen Defizite an Sozial-, Sprach- und Bewegungskompetenz erwachsen. Dies nicht weiter hinzunehmen und zu ändern wird immer mehr zu einer gesellschaftlichen Aufgabe.
Kita Tanz reagiert. Das Projekt beschreitet, »betanzt« einen neuen Weg, stellt die Schulung der Rezeption des eigenen Körpers in den Mittelpunkt eines wissenschaftlich begleiteten Experiments.
»Achtung aufgeweckte Kinder«! Im Zuge einer erweiterten Bildung erschließen sich neue Potentiale für ein achtsames soziales Miteinander.
Mit Start im Januar 2008 war das Projekt zunächst auf zwei Jahre hin angelegt; als Partner wurde eine Kita am Frankfurter Berg in Frankfurt am Main ausgewählt. Die KITA 101 betreut Vorschulkinder und Hortkinder mit unterschiedlichsten Migrationsbiografien, aus verschiedensten sozialen und Bildungsmilieus und besteht damit aus einer projektgeeigneten sozialen Mischung.Mittel des Bewegungsangebotes von Kita Tanz ist die »Contact Improvisation«.
Ein mit einem Stipendium der Crespo Foundation ausgestatteter »Dancer in Kita« sucht diese zeitgenössische Tanzform mit den Beteiligten in positiv erfahrene Bewegungs- und Verhaltensstrukturen umzusetzen. Die Ausbildung der Erzieher ist dabei erster Schritt des Projekts: Sie sollen langfristig motiviert und befähigt werden, über eine Qualifikation in pädagogisch ausgerichteter Körperarbeit auch eigenständig Aktionen mit den Kindern zu entwickeln. Mit Sylvia Scheidl, Tänzerin und Studentin des neuen Masterstudiengangs »Zeitgenössische Tanzpädagogik« mit künstlerischem Schwerpunkt in Improvisation, Contact Improvisation und somatisch orientierter Tanztechnik an der HfMDK, fand die Crespo Foundation eine engagierte Leiterin.
Nach den Sommerferien 2010 geht KitaTanz mit der Erweiterung auf zwei Kitas und der neuen Projektleiterin Nira Priore Nouak nun in eine neue Runde. Der Fokus liegt im kommenden Schuljahr auf der Arbeit mit den Vorschulkindern.
Frau Priore Nouak fungiert als Ausbilderin für die KindergartenpädagogInnen und Impulsgeberin für alle Beteiligten. Sie bezieht Kinder wie Erzieher in einen Lernprozess ein, dessen Zielvorstellung ein spielerischer, erweiterter Zugang zu den eigenen Körperwahrnehmungen, zu sinnlichen wie ästhetischen Erfahrungen ist. Das erfordert einerseits die Sensibilisierung aller Sinne, im Besonderen der Körperoberflächen, andererseits werden Grundbewegungen wie Laufen, Rollen, Fallen und Drehen als Bausteine des Tanzens trainiert. Tanzaufführungen runden den Prozess ab.
Das Sigmund-Freud-Institut Frankfurt am Main wird gemeinsam mit dem Institut für Grundschulpädagogik der Universität Koblenz-Landau das Projekt Kita Tanz im gesamten Verlauf wissenschaftlich begleiten und die Ergebnisse in regelmäßigen Abständen evaluieren.
Die Daten der Trainingsperioden werden daraufhin untersucht, was dieses Tanzprojekt leistet, wie und woraufhin es neue Maßstäbe setzen kann.
In Zukunft wird es darum gehen, weitreichend übertragbare Lerneinheiten der Körperarbeit
mit Kindern zu entwickeln, die auch als Module für die Kindergartenpädagogik anderer Einrichtungen funktionieren. Ziel dieser Kompetenzerweiterung ist, die beteiligten Erzieherinnen zu Multiplikatoren des Programms werden zu lassen. Das Programm evaluiert unter anderem, wann und unter welchen Bedingungen sich ein solcher Effekt einstellen kann.
Kita Tanz ist ein »lernendes« Projekt. In Kooperation mit Prof. Dr. Kristin Westphal von der Universität Koblenz-Landau werden alle Ergebnisse analysiert, zusammengefasst und zu neuen Fördermaßnahmen weiterentwickelt. Auch Überschneidungen mit dem ebenfalls von der Crespo Foundation geförderten Projekt »Starthilfe« sind von Interesse; Synergieeffekte
sind erwünscht und werden in weiterführende Konzepte miteinbezogen.
Mit diesem Ansatz sieht sich die Crespo Foundation mit Kita Tanz im Kontext zukunftsweisender Projekte wie dem in den USA von Sir Simon Rattle und dem Choreographen Royston Maldoom initiierten Tanzprogramm »“Rhythm is it«, dem Musik-Kindergarten von Daniel Barenboim in Berlin oder - für ältere Kinder - dem Projekt »Musikalische Grundschule« der Bertelsmannstiftung.
Crespo Foundation
Cora Stein
Telefon: +49 (0)69 27 10 795 14
cora.stein(at)crespo-foundation.de
Künstlerische Projektleitung
Nira Priore Nouak
priore(at)zeitform.de
Stadt Frankfurt am Main
Kita 79
Leiterin Nicole Würzburg
Homburger Landstraße 40
60435 Frankfurt am Main
Stadt Frankfurt am Main
Kita 101
Leiterin Alexandra Götz
Berkersheimer Weg 2a
60433 Frankfurt am Main
Hochschule für Musik
und Darstellende Kunst
Eschersheimer Landstraße 29 - 39
60322 Frankfurt am Main
www.hfmdk-frankfurt.de
Lehrstuhl für Bildungswissenschaften
der Universität Koblenz
Universität Koblenz-Landau
Standort Koblenz
FB 1 Bildungswissenschaften IfGP
Universitätsstraße 1
56070 Koblenz
Sigmund-Freud-Institut
Forschungsinstitut für Psychoanalyse
und ihre Anwendungen
Myliusstraße 20
60323 Frankfurt am Main
www.sfi-frankfurt.de
Nina Werth