»Unheimlich bildungsorientiert«

Cornelia Brähler, Lehrerin für Migrantenweiterbildung und Schulabschlüsse an der VHS Frankfurt über ihre Arbeit mit den Saba-Stipendiatinnen
 


Mit Beginn des neuen Schuljahres im August 2011 betreuen Sie die neuen Saba-Stipendiatinnen in Ihrer Klasse. In welcher Funktion?

Brähler: Ich bin Klassenlehrerin an der VHS und unterrichte sie in Deutsch, Mathe und Gesellschaftskunde.  
Wie oft treffen Sie aufeinander?
Brähler: Vier bis fünf Mal die Woche für jeweils vier Stunden.  
Wie würden Sie die Stipendiatinnen beschreiben? 
Brähler: Der größte Teil ist unheimlich bildungsorientiert – die möchten unbedingt etwas lernen! Das ist ein Traum, dass sie jetzt endlich in die Schule dürfen… manche meiner Kollegen können sich gar nicht vorstellen, was Lernen gerade für diese Frauen bedeutet. Sie empfinden es als Befreiung. Wie eine Insel, auf die sie zusteuern. Viele haben Saba ja über uns kennen gelernt und bewerben sich dann um ein Stipendium dort. Zum Beispiel jene, die den Hauptschulabschluss geschafft haben, für die nächst höhere Schulform aber finanzielle Förderung brauchen.
Welche Eigenschaften sind in Ihren Augen unverzichtbar, wenn solche Frauen beschließen, ihre Bildungskarriere neu aufzunehmen?  
Brähler: Sie brauchen eine sehr starke Motivation! Gerade die Alleinerziehenden müssen ihr Leben gut strukturieren und organisieren können. Und sich trotz schwieriger Lebensumstände auf das Lernen konzentrieren können… 
Was sind das für Zeitpunkte, Ihrer Erfahrung nach, an denen solche Entschlüsse gefasst werden?
Brähler: Wenn die Kinder ein bestimmtes Alter haben. Oder nach Ehescheidungen oder anderen dramatischen Erfahrungen. Manchmal aber auch einfach, weil es eine Mutter schmerzt, ihren Kindern in der Schule nicht helfen zu können. Die Briefe nicht verstehen zu können, die von dort kommen. Sie möchten beim Elternabend mitreden können. Und wünschen sich auch einfach bessere Jobs, für die sie zusätzliche schulische Qualifikationen brauchen.  
Haben auch Sie als Lehrende von diesem Projekt und den Frauen etwas gelernt?

Brähler: Oh, es ist ein Traum, mit diesen Frauen zu arbeiten. Ich finde das Projekt supertoll – es hat so sehr gefehlt! Die umfassende Unterstützung, die Saba anbietet, könnten wir gar nicht leisten.
Was ich lerne? Wie sie mit unterschiedlichen Kulturen und Interessen umgehen. Da sind übrigens die Frauen oft sehr viel lockerer und aufgeschlossener als die Männer. Sie haben einen unheimlich guten Umgang miteinander – und mit uns Lehrenden. Dazu sind sie sehr kreativ. Auf diese Idee wäre ich gar nicht so gekommen. Und ich bekomme die besten Kochrezepte…!


Ansprechpartner

Cora Stein
Telefon: +49 (0)69 27 10 795 14
cora.stein(at)crespo-foundation.de

Projektkoordination SABA Mentoring
Ute Chrysam

Telefon: +49 (0)69 91 30 10 28
chrysam(at)berami.de

Links

Freie Schule für Erwachsene der
Lehrerkooperative e. V.

Ostparkstraße 45
60538 Frankfurt
www.lehrerkooperative.de/index.php?id=105

Höchster Bildungsschuppen
Verein für Kultur, Politik
und Berufsbildung Höchst e.V.

Königsteinerstraße 49
65929 Frankfurt
www.bildungsschuppen.de

Lernwerkstatt Darmstadt
Schulstraße 16
64283 Darmstadt
www.ld-lernwerkstatt.de

Lernwerkstatt
Dietzenbach
Messenhäuser Straße 4
63128 Dietzenbach
www.ld-lernwerkstatt.de

Volkshochschule Landkreis
Darmstadt-Dieburg

Holzstraße 7
64283 Darmstadt
www.ladadi.de/Volkshochschule.101.0.html

Volkshochschule Frankfurt
Sonnemannstraße 13
60314 Frankfurt am Main
www.vhs-frankfurt.de

Volkshochschule Mainz
Karmeliterplatz 1
55116 Mainz
www.vhs-mainz.de

Volkshochschule Offenbach
Berliner Straße 77
63065 Offenbach am Main
www.vhs-offenbach.de

Volkshochschule Wiesbaden

Alcide-de-Gasperi-Straße 4-5
65197 Wiesbaden
www.vhs-wiesbaden.de

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