Jedem Kind seine Stimme...

... und eine für Oliver Knieps! Primacanta hat seit Anfang Februar 2011 einen neuen Projektleiter. Willkommen noch einmal! Lassen Sie uns für unsere Leser ein paar Fakten zu Ihrem Werdegang zusammenfassen: Sie sind Lehrer für Grund- Haupt- und Realschule in den Fächern Musik, Mathematik und Sport. Zudem waren Sie zwei Jahre als Mitarbeiter am Amt für Lehrerbildung in der Fachgruppe »Kompetenzorientiert unterrichten - Musik Grundschule« tätig, seit 2009 dann bis zum Antritt der Projektleitung von Primacanta Ausbildungsbeauftragter am Studienseminar Kassel. 

In Ihrer Auseinandersetzung mit dem »kompetenzorientierten« Musikunterricht sind Sie auf Primacanta gestoßen: Was interessierte Sie an diesem Projekt?

Oliver Knieps: Mich spricht besonders an, dass durch das Coachingsystem so viele Lehrerinnen und Lehrern darin geschult werden, ein wirklich hilfreiches, strukturiertes und handhabbares Unterrichtssystem zu erlernen, um Kindern zu helfen, echte und nachhaltige musikalische Basiskompetenzen zu erwerben.  Ich sehe in meinem Umfeld oft Menschen, die haben Freude am Konsumieren von Musik und doch sind sie sehr verunsichert, was ihre eigenen musikalischen Fähigkeiten betrifft. Diese Verunsicherung hindert sie daran, selbst zu musizieren. Das finde ich unglaublich schade. Ich glaube, hätten diese Menschen in ihrer Kindheit den Unterricht unserer Primacanta-Lehrerinnen und Lehrern genossen, würden sie sich auch als Erwachsene trauen zu singen, sich ein Instrument zu nehmen und einfach mal zu probieren. Primacanta macht Lust auf das Singen, gibt einem Sicherheit, zu musizieren und das finde ich am tollsten.  

Nun taucht im Zusammenhang mit Ihren Tätigkeiten in der Lehrerfortbildung der Begriff »Bildungsstandards« auf – können Sie uns kurz schildern, was damit gemeint ist?
 
Oliver Knieps:
Bildungsstandards beschreiben Kompetenzen, über die Kinder am Ende einer festgelegten Schulzeit verfügen sollen. Beispielsweise sollen die Kinder am Ende der Jahrgangsstufe 4 »einfache Rhythmen und tonale Folgen metrumbezogen ausführen« können (Auszug aus dem Entwurf der »Bildungsstandards und Inhaltsfelder - Das neue Kerncurriculum für Hessen« vom August 2010) Das Land Hessen hat, wie einige andere Länder auch, diese Bildungsstandards in einem Kerncurriculum für alle Schulfächer  entwickeln lassen. Dieses Kerncurriculum ist ab kommenden Sommer die verbindliche Unterrichtsvorgabe für alle hessischen Lehrerinnen und Lehrer.  

Der Leitspruch von Primacanta lautet: »Jedem Kind seine Stimme«. Wie würden Sie dieses Credo für die beteiligten Lehrenden formulieren? »Jedem Lehrenden seine .... ?«  

Oliver Knieps:
Ich wünsche jeder Lehrkraft die Freude am Erleben von gemeinsamem und qualitativ gutem Singen mit den Kindern und die Freude daran, zu wissen, wie man die Kinder dort hin begleitet.  

Primacanta zielt darauf ab, möglichst viele der hessischen Grundschulen für das Projekt zu begeistern. Wo sehen Sie die Herausforderungen bei der Umsetzung dieses Anspruchs?

Oliver Knieps:
Douglas Adams schrieb einmal, dass die Menschen fast immer unglücklich seien, was komischerweise an dem Hin und Her kleiner bedruckter Papierscheinchen liegen würde. Gute Fortbildungen kosten Geld und Primacanta ist unter anderem deshalb so erfolgreich, weil die Lehrerinnen und Lehrer bei ganztägigen Fortbildungsveranstaltungen neben Praxisworkshops auch sehr praxisnahe und konkrete Unterrichtsmaterialien an die Hand bekommen - und sogar noch eine kontinuierliche Betreuung durch Primacanta-Coaches erfahren. Besonders die ganztätigen Praxisworkshops sind uns sehr wichtig, da engagierte Lehrerinnen und Lehrer, nicht nur in Hessen, am persönlichen Leistungslimit arbeiten. In den letzten Jahren wurden unglaublich viele administrative Aufgaben auf die Kollegien verlagert, ohne dass es zu irgendeinem Ausgleich gekommen wäre. Auch Fortbildungsmaßnahmen werden aus Kostengründen fast ausschließlich außerhalb der Unterrichtszeit angeboten. Wenn wir unserem hohen Anspruch an die Nachhaltigkeit von Primacanta in unserer Fortbildung gerecht werden wollen, müssen die Lehrerinnen und Lehrer für ganze Ausbildungstage freigestellt werden. Die dadurch entstehenden Kosten werden komplett von der Crespo Foundation getragen. Wir sind gerade in der Planung eines Pilotprojektes von Primacanta in einem ländlichen hessischen Bereich. Bei einer solchen Ausweitung in das Bundesland Hessen muss dafür jedoch ein Träger des Landes die Ressourcen bereitstellen. Dies ist in Zeiten knapper Haushalte eine der größten Herausforderungen. Die Bereitschaft und der Wille von Seiten der Lehrerinnen und Lehrer, von Seiten des Kultusministeriums und möglicher Multiplikatoren an einer hessenweiten Ausdehnung von Primacanta sind sehr hoch. Die Hochschule für Musik und Darstellende Kunst und die Crespo Foundation sind bereit, ihre Erfahrungen und schon erarbeiteten Materialien zur Verfügung zu stellen. Es müssen nun vor allem die finanziellen Ressourcen bereit gestellt werden.  

Sie sind Teil eines Tangoquintetts, haben lange Jahre in einem hessischen Chor gesungen, komponieren auch selbst – was bedeutet Ihnen Musik ganz persönlich?

Oliver Knieps:
Musik füllt einen großen Teil meines Lebens aus. Ein Leben ohne Musik kann ich mir gar nicht vorstellen. Wobei ich selten selbst Musik höre. Wenn ich arbeite, koche oder mich unterhalte lenkt mich Musik so zu sehr ab. Deshalb ist um mich herum meistens keine Hintergrundmusik zu hören. Und doch gibt es für mich kaum ein lebendigeres Gefühl als wenn ich im Chor eine berührende Musik singe und ich plötzlich die Gänsehaut am Rücken wahrnehme ... so ein intensives Erlebnis schafft bei mir nur selbst gesungene Musik. Auch beim Klavierspiel habe ich dies noch nicht geschafft. 

Apropos persönlich... welches ist denn Ihr Lieblings-Kinderlied?

Oliver Knieps:
Das klingt ja wie eine Frage aus den Poesiealben meiner Schulkinder... Es gibt so viele schöne Lieder... wenn ich mich an ein Lied aus meiner Kindheit erinnere, fällt mir vor allem eines ein, bei dem ich weiß, dass ich es schon als Kind sehr anrührend fand:»Bunt sind schon die Wälder«.  

Eine letzte Frage, dann lassen wir Sie wieder an die Arbeit! Im Mai wird Primacanta zu Hochform auflaufen... erzählen Sie uns, was da geplant ist?  
Oliver Knieps:
Am 11. und 12. Mai werden wir zum zweiten Mal mit ganz vielen Kindern in den Zoo gehen. Dort werden die Schulklassen den Tieren Tierlieder vorsingen. Nebenbei wird es noch einen Singwettbewerb geben und es wird tolle Preise geben ... aber da wollen wir noch nicht zu viel verraten... Ein weiteres Highlight wird die Abschlussveranstaltung der zweiten Primacanta-Staffel am 20. Juni sein. Alle Kinder der zweiten Staffel werden an diesem Vormittag in die Alte Oper zu einem Mitmach-Kinderkonzert eingeladen. Das Besondere an diesem Konzert: Es wird ein Konzert VON Primacanta-Kindern FÜR Primacanta-Kinder werden, denn die Schülerinnen und Schüler der Frankfurter Linnéschule, deren Musiklehrerin schon seit 2008 sehr aktiv und engagiert im Primacanta-Projekt dabei ist, sind die Hauptakteure in diesem Konzert. Hier wird nicht nur deutlich, dass durch Primacanta die Kinder musikalisch »fit gemacht« werden: Das Musical ist eine Komposition dieser Primacanta-Musiklehrerin, die sich wohl ohne die Primacanta-Fortbildung nie an ein solch großes und großartiges Projekt herangetraut hätte.

       

Ansprechpartner

Crespo Foundation
Annette Marke
Telefon: +49 (0)69 27 10 795 20
annette.marke(at)crespo-foundation.de

Hochschule für Musik und Darstellende Kunst
Frankfurt am Main

Oliver Knieps
Telefon: +49 (0)69 27 10 795 21
knieps(at)primacanta.de

Kooperationspartner und Links

Hochschule für Musik und Darstellende Kunst
Frankfurt am Main

Eschersheimer Landstraße 29 - 39
60322 Frankfurt am Main
www.hfmdk-frankfurt.de 

Schirmherrin Petra Roth
Oberbürgermeisterin der Stadt Frankfurt am Main

Stadt Frankfurt am Main
Büro der Oberbürgermeisterin
Römerberg 23
60311 Frankfurt am Main
www.petra-roth.de
www.frankfurt.de/sixcms/detail.php?id=2867

Schirmherren Wise Guys
Wise Guys Büro
Joseph-Stelzmann-Straße 2
50937 Köln
www.wiseguys.de

Homepage PRIMACANTA

www.primacanta.de

Fotos

Anna Berger, Anja Jahn und Nina Werth

D  E
facebook