Gerald Siegmund ist Professor für Choreographie und Performance am Institut für Angewandte Theaterwissenschaft der Universität Gießen. Als Jurymitglied vergibt er jährlich Förderungen für Studierende des Master-Studiengangs Choreographie und Performance (CuP), deren Semesterprojekte die Crespo Foundation seit 2008 mit Crespo CuP unterstützt. Vor kurzem entschied die Kommission über die neuen Projektanträge.
Frage: Nach welchen Kriterien beurteilen Sie Projektanträge von CuP-Studierenden?
G.S. Mir ist wichtig, dass die Studierenden ihre eigenen Fragen und Problemstellungen entwickeln. Woran wollen sie arbeiten und welche künstlerischen Mittel wollen sie aus welchem Grund dafür einsetzen? Kurzum: Warum soll mich das, was Ihr auf die Bühne zeigen wollt, heute interessieren? In unserem Studiengang »Choreographie und Performance« geht es ja nicht darum, traditionelle Vorstellungen von Bühnentanz einzuüben und umzusetzen. Choreographie ist mehr als das Erfinden von Schritten zur Musik. Es bedeutet vor allem eine körperliche Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Phänomenen.
Frage: Welche Themenfelder bearbeiten Tanz/Performance-Studierende besonders häufig in ihren Konzepten?
G.S. Vielen Projekten liegt die Frage nach dem Körper in unserer heutigen Gesellschaft zugrunde. Was passiert mit unseren Körpern im Zeitalter explodierender Bildmedien und dem Internet? Das führt ganz entschieden zu der Frage, welchen Körper will ich auf der Bühne zeigen? Welche Körperbilder produziert der Tanz überhaupt? Schließe ich mich dem allgemeinen Schönheitsgebot an, oder versuche ich, mit Hilfe von Bewegung einen anderen Körper zu produzieren, der andere Möglichkeiten der zwischenmenschlichen Begegnung eröffnet? Dazu gehört auch die Frage, wie Körper mit Hilfe von Gesten kommunizieren und wie diese lesbar oder unlesbar werden.
Frage: Sie selbst haben 1994 zum Thema »Theater als Gedächtnis« promoviert: Wie könnte ein Promotionsthema im Jahr 2020 heißen?
G.S. Das Thema »Gedächtnis« ist ja längst noch nicht abgehakt. Im Gegenteil. Je mehr die Einsicht wächst, dass die Flut an Informationen, die die Medien über uns ausgießen, nicht zu einem Zuwachs an Wissen führt, weil Informationen und Bilder an keinerlei Erfahrung geknüpft sind, desto mehr stellt sich die Frage, wie wir ein Gedächtnis herstellen können, das mehr ist als ein Informationsspeicher. Die Frage nach dem Körpergedächtnis stellt sich heute dringlicher denn je.
Cora Stein
Telefon: +49 (0)69 27 10 795 14
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Hochschule für Musik und Darstellende Kunst
Prof. Dr. Dieter Heitkamp
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Universität Giessen
Prof. Dr. Gerald Siegmund
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Institut für Angewandte Theaterwissenschaft
Philosophikum II
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Hochschule für Musik und Darstellende Kunst
Eschersheimer Landstraße 29-39
60322 Frankfurt
www.hfmdk-frankfurt.de
2011/12
1. Ajda Tomazin
2. Kiriakos Hadjiioannou
3. Seung Hee Lee
4. Caroline Byström
5. Georg Döcker
6. Tom Engels
7. Bettina Földesi
8. Tümay Kilincel
2010/11
1. Franziska Aigner
2. Bill Bultheel
3. Rose Beerman
4. Iva Sveshtarova
5. Tessa Theissen
6. Antje Velsinger
7. Christina Kramer
8. Johannes Hock
2009/10
1. Andy Zondag
2. Bill Bultheel
3. Katharina Poensgen
4. Lucie Eidenbenz
Als Gast:
5. Uri Terkenich
2008/09
1. Lina Lindheimer
2. Sebastian Schulz
3. Paula Rosolen
Als Gäste:
4. Enad Marouf
5. Jun Yang Bae
Bei diesem transatlantischen Tanzprojekt
der beiden New Yorker Tanzkompanien
Battery Dance Company und Drastic Action
lernten Schülerinnen und Schüler mit
unterschiedlichem ethnischen, kulturellen
und sozialen Hintergrund, sich ihrem eigenen
Körper und der Gruppe im Tanz zu öffnen
- auch Studierende des Crespo CuP waren
an der Durchführung beteiligt.